Für meine Gedanken einen Schubladenschrank

Gib mir einen Schrank für meine Gedanken, einen großen, bunten Schubladenschrank. Ich will sie sortieren, all diese Worte und Sätze. Ich will sie in Schubladen sperren können und die Schlüssel umdrehen. Ich will sie verwahrt wissen, sicher verwahrt. Ich will die Schlüssel an einem großen Ring mit mir herumtragen können.

Manche will ich aufbewahren, damit sie ganz gewiss bleiben. Andere will ich fortsperren, damit sie sich nicht mehr nachts anschleichen können, aus dem Dunkeln kriechend die Träume füllen, den Schlaf verscheuchen. Manche will ich fortschieben, so weit, als wären sie nie dagewesen. Ich stelle mir Wüsten vor, weite Meere, hohe Berge hinter die ich die schicke… Aber nichts, nichts kann man ungedacht machen.

Manche möchte ich ordnen, aufstapeln, auseinander nehmen. Damit ich sie nacheinander betrachten kann, sie drehen und wenden. Damit ich herausfinden kann, wer sie wirklich sind. Denn sie hüllen sie allzu oft in trügerische Gewänder.

Ja, ich möchte einen Schubladenschrank für das Durcheinander in meinem Kopf. Alles wirbelt kreuz und quer, vermischt sich, ändert die Farbe. Dreht, wandelt, rempelt sich. Ich möchte einen Schrank mit großen und kleinen Schubladen. Mit abschließbaren und mit offenen Fächern. Ich möchte einen Schubladenschrank für meine Gedanken.


Inspiriert hat mich Marys Beitrag mit dem Titel Kopf voll? aus dem ich auch meine Lieblingszeile für diese Woche habe:  Manchmal muss es stürmen – um uns herum und in uns drinnen – damit wieder Ruhe einkehren kann.  Auch eine Möglichkeit, so einen vollen Kopf zu ordnen…

Dein Leben will gelten

Jetzt fang an, dein Leben will gelten.

Das ist meine neue Lieblingszeile, wieder aus einem Gedicht von Mary.

Manchmal habe ich Angst, dass ich immer nur warte, plane und mich nach Morgen sehne. Ohne je zu leben. Wirklich zu leben, voll und ganz, in jedem Moment. Ich habe Angst, in einem Leben zu landen, in dem ich jeden Tag auf den Abend warte und jede Woche auf das Wochenende. Das ganze Arbeitsleben auf die Rente. Nur um irgendwann zu merken, dass es vorbei ist. Das ganze Leben vorbei. Vorbei, all diese Chance, die ich habe verstreichen lassen. Ich will jetzt leben, heute. Ich will glücklich sein. Aber ich weiß nicht wie das geht.

Vielleicht ist das auch nichts, von dem man wissen kann, wie es geht. Vielleicht kommt das Glück einfach. Wenn man jeden Tag dafür sorgt, dass er es wert gewesen ist, gelebt zu werden.

Ich will mein Herz vorauswerfen und hinterherfliegen. Siehst du, wie mir Flügel wachsen?

Zeit

Heute habe ich überlegt, was wir schon geschrieben haben, seitdem wir
unseren Blog haben. So alt ist dieser Blog noch gar nicht. Doch trotzdem
haben wir schon ganz verschiedene Beiträge veröffentlicht. Auch auf
euren Webseiten ist mir das aufgefallen: jeder einzelne Beitrag
unterscheidet sich von den anderen und das nicht nur in Titel und Inhalt.
Ganz entscheidend ist die Stimmung, die die Texte vermitteln.
Jeder Tag ist anders, macht uns anders, inspiriert uns, lässt uns
einzigartig schreiben.
Vielleicht hätte ich diesen Beitrag hier morgen früh
auf eine ganz andere Art und Weise geschrieben. Und wie würde dieser eine
Text erst aussehen, wenn ich ihn vor einem Jahr geschrieben hätte, nächste
Woche oder erst in drei Jahren schreiben würde?

Vermutlich wäre er ganz anders, denn ich wäre anders.
Du genauso.
Wir hätten andere Momente erlebt, neue Erfahrungen gemacht und wären, wie
man so schön sagt, vielleicht „ein ganz neuer Mensch geworden“.

Die Zeit, die Momente, die Jahre, die Tage, die Stunden, die Minuten
und Sekunden – sie verändern unser Leben; in welche Richtung, das wissen wir
vorher nicht. Lilian hat die Vergänglichkeit schon in So ungnädig die Zeit
thematisiert. Genauso wichtig, wie das Bewusstsein über die
Vergänglichlichkeit, das kein Augenblick sich wiederholen wird, ist auch
die Werschätzung der Zeit. Wie würden wir ohne Zeit, ohne Veränderungen leben?
Alles würde stets gleich bleiben.
„Heute, morgen, übermorgen“ -die Wörter würden nicht einmal existieren!
Doch wer kann sich sowas, ein Leben ohne Zeit, heute überhaupt noch vorstellen?

Das Glück, ein scheues Tier

Wieder Sonntag, wieder Zuwachs für unsere Sammlung aus Lieblingszeilen. Für heute habe ich diesen schönen Satz für euch: „Denn das Glück (…) wird plötzlich vor dir stehen.“ aus Marys Gedicht Auf der Suche nach dem Glück.

Mit dem Glück ist ein wenig wie mit einem scheuen Tier. Wenn du hinterherläufst, dann flieht es. Versteckt sich in den Schatten. Wenn du nach im rufst, dann bleibt es verborgen. Fürchtet die laute Stimme.

Darum lass das Laufen und Rufen. Es wird zu dir kommen. Das Glück. Vertraue darauf. Vielleicht wird es sich anschleichen, aus einer unerwarteten Richtung, sodass man es gar nicht kommen sieht. Aber dann wird es auf einmal vor dir stehen. Nimm es wahr, und schätze, solange es da ist. Aber  sei behutsam. Glück, das man einsperrt, ist kein Glück mehr.

Einmal lächeln bitte – das ist doch nur eine Kleinigkeit

„Ich zähle mein Lächeln“ ist die Devise von Lilian.
Einfach mal froh sein und sich freuen über die Kleinigkeiten im Leben.
Das erscheint vielleicht komisch.
Doch ich hab es ausprobiert. Meine Laune steigert sich, wenn ich mich einfach
mal freue, dass alte Foto anzuschauen, der Sonne entgegezulächeln oder mit
Freunden Zeit verbringen zu dürfen.

Wie ist das bei euch? Habt ihr da auch schonmal drauf geachtet?

„Ich zähle mein Lächeln“ ist ein Satz den man nicht vergessen sollte,
denn die Freude über Kleinigkeiten macht das Leben lebenswert 🙂

Halt mich fest und lass mich fliegen

Wieder ist Sonntag und ich durchstöbere unsere alten Beiträge nach Lieblingszeilen. Dabei sind mir zwei Verse aus dem Gedicht Zu viele Menschen? von Mary ins Auge gesprungen, aus denen ich etwas Neues spinnen möchte:

„Lasst mich los. – Nein, lasst mich nicht fallen.“

Halt mich fest und lass mich fliegen.
Bleib bei mir, geh ruhig fort.
Erzähl mir alles, hör meine tausend Worte.
Träume, singe, schwebe, schweige.
Sei laut und leise.
Gestern und Morgen.
Der Mond, die Sonne und hundert Sterne.
Sei du selbst und ein Teil von mir.

Erinnerungen

Auch ich hab im Archiv gekramt:

„Ein Teil von dir, der bleibt bei mir,
den hat mein Herz umfasst.“ – aus „Auch wenn die Blumen welken“,
einem Gedicht von Lilian.
Ich finde es wichtig, sich bewusst zu machen, wie besonders Erinnerungen
sind. Sie sind einfach etwas, was wir wissen und wahrscheinlich nie
vergessen, was uns wichtig ist und was uns ausmacht.
Deswegen können wir uns freuen, denn:
Erinnerungen kann uns niemand nehmen.

In einer anderen Welt #Lieblingszeilen 1

Ab heute werden wir jeden Sonntag in unserem Archiv stöbern und nach Lieblingszeilen suchen. Vor allem aus unseren Gedichten, aber natürlich lassen wir auch die anderen Texte nicht außer Acht – ich bin schin gespannt, was wir finden werden!

Als ich mich heute durch März 2016 geklickt haben, bin ich auf zwei Zeilen aus einem Gedicht von Mary gestoßen, die ich einfach wunderschön finde und mit euch teilen möchte:

Wenn ich träume, dann schwebe ich in einer anderen Welt.

Unsere Träume lassen uns Bilder jenseits der Realtät sehen. Und wenn wir dann fest glauben, wenn wir die Träume nach dem Erwachen festhalten, sie in unserem Herzen bewahren, dann können wir sie wahr werden lassen. Ein bisschen wahr, immer mehr wahr. Wie ein Steinmetz, der wieder und wieder an einem Felsbrocken klopft, bis schließlich ein Engel hervortritt.

Denn es muss keine andere Welt bleiben. Diese andere Welt kann unsere Welt werden und dann können schweben. Jenseits der Träume. In diesem Leben.

Wie sieht es bei euch aus? Lest ihr manchmal eure alten Texte? Stoßt ihr dann auf Lieblingszeilen?