Für meine Gedanken einen Schubladenschrank

Gib mir einen Schrank für meine Gedanken, einen großen, bunten Schubladenschrank. Ich will sie sortieren, all diese Worte und Sätze. Ich will sie in Schubladen sperren können und die Schlüssel umdrehen. Ich will sie verwahrt wissen, sicher verwahrt. Ich will die Schlüssel an einem großen Ring mit mir herumtragen können.

Manche will ich aufbewahren, damit sie ganz gewiss bleiben. Andere will ich fortsperren, damit sie sich nicht mehr nachts anschleichen können, aus dem Dunkeln kriechend die Träume füllen, den Schlaf verscheuchen. Manche will ich fortschieben, so weit, als wären sie nie dagewesen. Ich stelle mir Wüsten vor, weite Meere, hohe Berge hinter die ich die schicke… Aber nichts, nichts kann man ungedacht machen.

Manche möchte ich ordnen, aufstapeln, auseinander nehmen. Damit ich sie nacheinander betrachten kann, sie drehen und wenden. Damit ich herausfinden kann, wer sie wirklich sind. Denn sie hüllen sie allzu oft in trügerische Gewänder.

Ja, ich möchte einen Schubladenschrank für das Durcheinander in meinem Kopf. Alles wirbelt kreuz und quer, vermischt sich, ändert die Farbe. Dreht, wandelt, rempelt sich. Ich möchte einen Schrank mit großen und kleinen Schubladen. Mit abschließbaren und mit offenen Fächern. Ich möchte einen Schubladenschrank für meine Gedanken.


Inspiriert hat mich Marys Beitrag mit dem Titel Kopf voll? aus dem ich auch meine Lieblingszeile für diese Woche habe:  Manchmal muss es stürmen – um uns herum und in uns drinnen – damit wieder Ruhe einkehren kann.  Auch eine Möglichkeit, so einen vollen Kopf zu ordnen…

Reflexionen über die Zeit

Sie eilt, sie kriecht, sie hetzt, sie schleicht, die Zeit.
Manchmal, ja, dann ist sie da, im Übermaß, will nicht weichen. Er rührt sich nicht von der Stelle, der Zeiger der Uhr, was man auch tut. Wenn man wartet, am Bahnsteig, am Busbahnhof, auf die anderen, allein.
Aber dann, wenn man sie sucht, da findet man sie nicht. Dann rücken die Zeiger, unaufhörlich, schneller als die Minuten erlauben. Dann springt sie, die Zeit, und rennt, hetzt ihre Sekunden.
Aber Zeit ist Zeit. Man kann sie nicht kann voranschieben und man kann sie aufhalten. Man kann sie nicht sehen und man kann sie nicht mit den Händen greifen. Aber man kann sie zu schätzen wissen. Wenn sie da ist.
Denn sie ist unendlich kostbar, die Zeit.

every-day-is-precious

Wort der Woche: Zeit

Es träumen die Wälder

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Es ist still. Nur die Vögel sind zu hören. Und der Wind, der um die Zweige streift. Ein feines Rauschen.

Sonnenstrahlen suchen ihren Weg zwischen den tanzenden Blättern hindurch und malen Flecken auf den dunklen Waldboden. Ein Schmetterling lässt sich auf eine rosafarbenen Blüte nieder. Ein kleiner Käfer mit glänzendem Panzer sucht seinen Weg zwischen moosbewachsenen Steinen und abgebrochenen Ästen.

Dann ein leises Knacken. Ein Reh taucht auf. Schlanke Gestalt und funkelnde Augen. Einen Moment regungslos verharrend. Und dann wieder fort, zwischen schmalen Bäumen und mächtigen Stämmen hindurch. In die Tiefen des Waldes, in die man als Mensch kaum vorzudringen vermag.

Wenn man den Kopf in den Nacken legt, kann man ein Stückchen Himmel sehen. Blauer Himmel, weiße Flecken, eingerahmt von grünen Blättern.

Es ist still. Es ist friedlich. Es ist eine andere Welt, direkt nebenan und doch so fernab der gedängten Hausfassaden, der breiten Straßen, der drückenden Luft. Der Menschen und Menschen.

Es ist als träumten die Wälder leise vor sich in in dieser schnellen lauten Welt.

Allein sein

Wenn du alleine bist,
nagt das an deinen Gedanken, gewiss.

Du fühlst dich verloren,
vielleicht hat dein Herz gefroren.

Wieso verbringt niemand die Zeit mit dir?
Wieso stehst du jetzt ganz alleine hier?

Es fühlt sich seltsam an,
doch eigentlich fragst du dich:
„Was ist so komisch daran?“

Um dich herum ist es ungewohnt leise,
in deinem Kopf unerträglich laut.

Wie hast du es geschafft, dass alle dich verlassen?
Was hast du getan?
Was hast du gemacht?
Und vor allem, wie hast du es soweit gebracht?

Dass du einsam jetzt hier stehst,
ganz alleine deiner Wege gehst.

Das ist eine ganz neue Erfahrung.
Doch dabei musst du feststellen:

Auch allein sein,
kann unheimlich schön sein.

Vom Wind getragen

Manche Dinge gehen kaputt, wenn man sie festhält.
Manche Dinge muss man loslasse, damit der Wind sie an den Ort tragen kann, an den sie gehören.

Schmetterlinge zum Beispiel.
All jene, denen es bestimmt ist, zu fliegen.

Die Vergangenheit.
Erinnerungen, die uns festhalten, in einer Zeit, die es nicht mehr gibt.

Blütenblätter und Schneeflocken.
So fragil, dass eine Berührung sie zerbrechen könnte.

Entscheidungen

Manchmal weiß man genau, was das Eine und was Alles Andere sein wird. Manchmal ist es nicht schwer.

Aber an anderen Tagen, zu andere Momenten, ist man sich das Anderen gar nicht bewusst. Eine unsichtbare Masse an Vielleichts, die nie in Erscheinung treten. Nebelschwaden, auf dem Weg, den man nicht gewählt hat.

Und in den schwierigsten Augenblicken gibt nur Alles Andere und nicht mehr das Eine. Gibt es nur eine große Kreuzung, und keinen Weg, der klar hervorsticht. Eine große Kreuzung, auf der man herumirrt, ein Schritt nach rechts, nach vorne und zurück. Wieder in die Mitte, aus Angst, den falschen Pfad zu wählen.

Aber vielleicht, ganz vielleicht, gibt es keinen richtigen und keinen falschen Pfad. Vielleicht kann man auf jedem Weg die Sterne treffen, wenn man die Schritte nur richtig setzt.

 

Kannst du dich mal entscheiden?

Regen, Sonne, Wind, Sturm, Nebel, Stille, Hagel oder Hitze
Kannst du dich jetzt bitte mal entscheiden?

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Doch auf die Frage werden wir wohl (vom Wetter) nie eine Antwort bekommen.
Aber so ist es nicht nur mit dem Wetter.
Auch wir sind so.
Können uns nicht entscheiden.
Fangen eine Sache an, beginnen die nächste, bevor die erste zuende gebracht
wurde. Nebenbei noch mal kurz das Programm abklären, die Einkaufsliste im
Hinterkopf behalten, die Nachrichten checken und eigentlich musst du
ja auch schon längst an deinem Arbeitsplatz sitzen. Doch stattdessen suchst
du den Autoschlüssel, willst noch eben die Blumen gießen und eigentlich
solltest du überhaupt erstmal etwas frühstücken.

Du merkst es erst, wenn es zu spät ist, wenn du schon in die Spirale
hineingeraten bist, dich alles verfolgt, du hinter jedem herhinkst, selbst
nicht mehr weißt, was jetzt gerade los ist, wo du selber stehst.

Langsam! Keine Angst. Du kommst wieder aus dieser Spirale heraus.
Konzentrier dich auf das Jetzt, mache das beste aus der Situation.
Es kann wieder gut werden, auch wenn du dir das gerade überhaupt nicht
vorstellen kannst.

Denn du darfst nie vergessen, Regenbögen sind wunderschön.

Unsichtbar, und doch da

Ich stehe unter einem Torbogen und beobachte die Lichter der Stadt. Gelbe Punkte, auf die Küste getupft. Nachts sieht man weniger. Nachts sieht man mehr. Ich lege den Kopf in den Nacken und blicke zum Himmel empor.

Manche Dinge schluckt die Dunkelheit, denke ich. Hüllt sie in ihren Mantel und verbirgt sie vor unseren Augen.

Aber für andere brauchen wir sie, diese Finsternis. Die Sterne kann nur sie uns zeigen. So groß und so weit entfernt, Sterne die wie unzählige Perlen das Antlitz der Nacht verzieren.

Die Nacht hüllt ein, die Sonne blendet. Nie kann man alles sehen.

Einfach glücklich sein

023An was denkst du, wenn
du dieses Bild siehst?
Wenn du nach Hause gehst?
Wenn du am Schreibtisch sitzt?
Wenn du verträumt nach draußen schaust?

Vermutlich denkt jeder von uns an etwas
anderes. Der eine an seine Arbeit, der andere
an seine Familie.
Die eine an ihre Probleme, die andere an den
Witz aus dem Radio.

Ich gehöre deutlich zu Letzteren.
In freien Minuten genieße ich es, mir das in Erinnerung zu rufen, worüber ich mich
zuletzt gefreut habe.
Ob es das Lächeln einer Freundin oder meine Schmusekatze war, was mich glücklich
gemacht hat, ist dabei egal.
Einen Grund sich zu freuen, gibt es immer.
Denke ich daran zurück, bin ich einfach glücklich und kann mich gleichzeitig auch schon auf die nächste schöne Kleinigkeit freuen 🙂

Probiert es doch auch mal!