„Zwei oder drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe“

Inhalt
Die erste Hälfte der Buches ist Merissa gewidmet, die zweite Nadja. Beide haben sie es nicht leicht in ihrem letzten Schuljahr: Merissa ist beliebt, ehrgeizig und erfolgreich, der Studienplatz an einer Eliteuni ist ihr schon sicher. Trotzdem geht es ihr nicht gut, sie steht extrem unter Druck, auch die schwierige Beziehung zu ihrem Vater belastet sie sehr.
Nadja kämpft mit ihrem Gewicht, mit dem Verschwinden ihrer Mutter, ihrer neuen Stiefmutter, den Mobbingattacken der Mitschüler.
Und schließlich ist da noch der Verlust ihrer Freundin Tink, die sich einige Wochen zuvor das Leben nahm.
Auf der Suche nach einem Ausweg greifen schließlich auch Merissa und Nadja zu drastischen Maßnahmen.

Wirkung
Joyce Carol Oates erzählt seltsam distanziert, beschreibt aber gleichzeitig sehr differenziert, wie es in den beiden Mädchen aussieht und was sie zu ihren Handlungen veranlasst.
Ich konnte mich beim Lesen nicht wirklich mit den Charakteren identifizieren, verstehe aber nun, weshalb die Autorin als “Großmeisterin des psychologischen Jugendromans” genannt wird. Für mich war der Stil ungewohnt, aber beeindruckend.

Botschaft
Das Buch erinnert uns daran, dass es wichtig sein kann, auf unsere Mitmenschen zuzugehen und hinter ihre Fassade zu blicken. Manchmal sind wir traurig, verzweifelt oder furchtbar erschöpft, aber wir sagen trotzdem, es sei alles in Ordnung. Und genau dann brauchen wir jemand, der die Wahrheit zu erkennen vermag.

Zitat

“Es war wie eine Achterbahnfahrt. Eine wilde, beängstigende Fahrt, bei der man zu sterben glaubt – die man nicht zu überleben glaubt -und ein entsetzliches Kreischen ausstößt, das sich für die Menschen am Boden wie ein Lachen anhört.”

(Quelle: Zwei oder drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe von Joyce Carol Oates)

 

 

 

Letztendlich sind wir dem Universum egal

Zum ersten mal in seinem Leben geht A seinen eigenen Weg.
Der Weg dahin war nicht einfach.
A kennt es nicht, dass jemand ihm vertraut.

Würdest du etwa jemandem glauben, der dir verklickern möchte, dass er jeden Tag in einem anderen Körper an einem anderen Ort aufwacht? Dass er jeden Tag anders aussieht , sich immer an neue Umstände anpassen muss und sowieso nichts für immer ist?

Was ist, wenn so jemand sich verliebt oder einfach nur eine Freundin haben möchte?
Sie soll ihm vertrauen und ihn Tag für Tag wiedererkennen.
Das ist wohl zu viel verlangt.

A hat nicht einmal einen richtigen Namen. Er weiß nicht, was es bedeutet eine
Vergangenheit und eine Zukunft zu haben.

Irgendwann erkennt er, endlich, dass es manchmal egal ist, was andere von einem
selbst denken,
dass er seinen Weg gehen muss, dass er frei ist und sich nach seinen, anstatt nach
den Wünschen anderer, richten darf.

 

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan.

The Screaming Staircase von Jonathan Strout

aus-dem-regal-gezogen-weil
mich der Klappentext überzeugt hat! Ich habe ihn hier verlinkt.

es-handelt-von
Geistern. In London. Und von Agenten. Also den Geisterjägern.
50 Jahre vor Beginn der Geschichte sind in England vermehrt Geister-Erscheinung aufgetreten. Sie werden in verschiedene Typen eingeordnet, je nachdem wie gefährlich sie sind. Deshalb sind die Agenten so wichtig. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, um gegen die Erscheinungen vorzugehen. Degen, Eisenketten, Salzbomben, Lavendel sind dabei im Einsatz… Ohne mich in den Details zu verlieren nur so viel: Es gibt ein komplexes, detailreiches System aus verschiedenen Geistern, ihren Begleiterscheinungen, Auswirkungen und den Möglichkeiten, gegen sie vorzugehen.
Ein allerdings wichtiger Punkt: Sterben können alle durch die Erscheinungen, sehen können sie aber nur Kinder, und das auch nur, wenn sie über eine besondere Gabe verfügen.
Ich-Erzählerin Lucy Carlyle und ihre beiden Kollegen verfügen über solche Fähigkeiten, allerdings müssen sie nicht nur mit übernatürlichen Feinden kämpfen – sondern auch mit Gegnern aus Fleisch und Blut.

die-charaktere-sind
hauptsächlich Lucy Carlyle, erwähnte Ich-Erzählerin; Anthony Lockwood, der charismatischer Anführer der kleinen Truppe, und George Cubbins (Brille, Vorliebe für Donuts, Recherchetalent).

zu-sprache-und-schreibstil
Ein flüssiger Stil, leicht zu lesen. Spannend und mit witzigen Dialogen.

und-ausserdem
„You’ll want to leave the lights turned on… Strout is a genius.“ wird Rick Riordan auf dem Cover zitiert. Und da kann ich ihm nur zustimmen. Die Geschichte war so fesselnd, dass ich mitten in der Nacht noch gelesen habe. Der Großteil meines Zimmers lag im Dunkeln… und dann ging auf einmal die Tür einen Spalt weit auf. Wie von Geisterhand. Ein wenig unwohl zumute war mir dann doch…

Kleines Manko: ich hätte gerne mehr über die Zeit und die Gesellschaft erfahren. An welchem Punkt, hat sich diese Welt von der Version, die wir kennen, getrennt? Zu welcher Zeit spielt die Geschichte? Aber vielleicht muss ich das Buch einfach noch einmal lesen und nach Hinweisen Ausschau halten… Elektrizität gibt es. Internet nicht. An Autos kann ich mich auch nicht erinnern..

fazit
Die Handlung ist definitiv spannend! Außerdem haben mir die ganzen Details rund um die Geister sehr gefallen – ein komplexes, in sich stimmiges System.

Daten zum Buch:
Titel: Lockwood & Co. – The Screaming Staircase
Autor: Jonathan Strout
Sprache: Englisch (gibt es aber auch als deutsche Übersetzung unter dem Titel „Die Seufzende Wendeltreppe“)
Seiten: 452
Verlag: Doubleday (Random House Groupe), 2013

P.S.: Durch ein Bild vom Cover wird so ein Beitrag natürlich gleich viel ansprechender. Trotzdem möchte ich aus urheberrechtlichen Gründen darauf verzichten. Hier geht es aber zu der entsprechenden Seite von Jonathan Strout, auf der verschiedene Versionen des Covers zu sehen sind.

Open Road Summer von Emery Lord

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mir der Titel sofort gefallen hat. Er klingt wunderschön, außerdem schwingt dieser Hauch von Freiheit, Abenteuer und Sommersonne mit. Aufbrechen, losziehen… frei sein. Großartig!

es-handelt-von
zwei besten Freundinnen, Dee Montgomery und Reagan O’Neill, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dee ist eine erfolgreiche Musikerin, ein freundlicher, sehr höflicher Mensch, sorgsam darum bemüht, ihr Privatleben und ihre Musikkarriere voneinander zu trennen. Als manipulierte Fotos von ihr in den Umlauf geraten, ist nicht nur ihre Karriere bedroht, sondern auch sie persönlich  hart getroffen.
Zu Reagans Vergangenheit gehören dagegen Alkohol, Zigaretten, schlechte Gesellschaft und Polizei. Doch damit hat sie abgeschlossen, will damit abschließen. Eine neue Reagan soll es geben, eine bessere und ihr Leben „drama-free“.
Gemeinsam haben die beiden ihre Freundschaft –  und ihre gebrochenen Herzen. Was passt da besser, als eine 24-Städte-Tour durch die USA?
Schnell taucht allerdings Matt Finch auf, Opening Act bei Dees Konzerten und ihr „fake-boyfriend“ – eine Strategie der PR-Abteilung, um die Presse abzulenken. Er heitert Dee auf und schafft es gleichzeitig, Reagans Vorsätze gehörig ins Wanken zu bringen…

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sympathisch und glaubwürdig. Sie haben alle ihr Päckchen zu tragen, und gehen alle unterschiedlich damit um. Vor allem die Ich-Erzählerin Reagan fand ich spannend. Sie hat sehr unterschiedliche Seiten, und je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt, desto besser erkennt man, weshalb sie sich so verhält, wie sie es tut.
Dees Geschichte dagegen führt einem noch einmal vor Augen, in was für einen goldenen Käfig das Berühmtsein einen sperrt. Was es alles mit sich bringt, auf beiden Seiten.
Und Matt ist sympathisch, witzig und genau der Richtige, um Reagan aus ihrem Schneckenhaus zu locken.

zu-sprache-und-schreibstil
… ein leichter, lockerer Erzählstil, teilweise durchaus humorvoll, der gut zu der Ich-Ezählerin passt. Vor allem Matt und Reagan ziehen einander immer wieder auf, was sehr amüsant zu lesen ist.

und-ausserdem
hat mir besonders gefallen, dass man Reagans Geschichte als Leser nur nach und nach erfährt. Wie sie eigentlich ihren Arm gebrochen hat, und was genau ihre turbulente Vergangenheit alles beinhaltet. Lauter kleine Andeutungen und Hinweise, die sich ansammeln und die man selber zusammensetzten kann, um ein Bild zu bekommen. Ich liebe es, wenn man als Leser selber mitdenken und Spuren suchen kann. Geht es euch ähnlich? Oder bin ich einfach ein Rätselfreak?

fazit
Auch wenn man es bei dem Titel vielleicht erwarten könnte, handelt es sich nicht um einen klassischen Roadtrip, schließlich tourt Dee mit ihrer gesamten Band inklusive Sicherheitspersonal, PR-Betreuern und allen, die dazu gehören.
Insgesamt aber eine schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Am Ende hätte ich Reagan am liebsten geschüttelt und in die richtige Richtung geschubst, aber so hat es natürlich besser zu ihrem Charakter gepasst. Also in sich auch sehr stimmig.
Der lockere Stil macht es leicht zu lesen, und so braucht man auch nicht besonders lange für die Lektüre. Also perfekt geeignet für Zwischendurch…

Daten zum Buch
Titel: Open Road Summer
Autor: Emery Lord
Sprache: Englisch (es gibt aber eine deutsche Übersetzung mit demselben Titel)
Seiten: 344
Verlag: Bloomsbury, 2015

 

 

Kälte von Michael Northrop (und ein paar abschweifende Gedanken)

New England USA. Sieben Schüler sind in einer Schule eingesperrt. Der Schnee um sie herum wächst ein. Ein Meter. Zwei Meter. Drei. Die Handys haben keinen Empfang, der Lehrer ist aufgebrochen, um Hilfe zu holen und nicht zurückgekehrt. Nach ein paar Stunden fällt der Strom aus, nach einem Tag die Heizung. Nach drei Tagen stürzt ein Teil der Decke ein. Niemand weiß, dass sie dort sind. Nach fünf Tagen wagt sich einer von ihnen hinaus. Ein lebensgefährliches Unterfangen…
Zunächst hatte ich überlegt in der Einleitung zu schreiben, wie surreal das alles ist, wie fern für uns, die wir hier im gemäßigten Klima Deutschlands leben. Naturkatastrophen, die einen von der Außenwelt abschneiden, gar lebensbedrohlich sind? In Alaska vielleicht, Südostasien… Doch dann habe ich innegehalten. Denn auch unserer sicherer Welt hat Risse bekommen. Wenn man an die Regenfälle der letzten Monate zurückdenkt… reißende Ströme, die Häuser zerstört und Menschen getötet haben. Haben nicht auch hier in Deutschland Kinder in einer Schule ausharren müssen, eingeschlossen von Wassermassen?
Nein, ganz so surreal ist es nicht, was Michael Northrop seinen 15-jährigen Ich-Erzähler berichten lässt…

Die Sprache ist einfach gehalten, teils umgangssprachlich. Der Autor versetzt sich vollständig hinein in Scotty Wheems, den Highschool-Schüler, den Basketballspieler.

Es geht darum, wie sieben Schüler, die unterschiedlicher nicht sein könnten, im Schulgebäude zurückbleiben, während der Schnee sie immer weiter einschließt. Wie sie mit dieser Situation umgehen. Wie sie erkennen müssen, dass sie einander in Schubladen gesteckt haben, einander die viel beschriebenen Highschool-Stempel aufgedrückt haben und damit hoffnungslos falsch lagen.
Es ist ein Buch, das sich schnell durchlesen lässt (beispielsweise im ICE zwischen Hamburg und Hannover).
Ein Buch, in dem Autor Micheal Northrop geschickt alltägliche Highschool-Sorgen mit einer realen Lebensbedrohung verknüpft, die sich langsam herauskristallisiert.

 

Everflame – Feuerprobe von Josephine Angelini

Wer hat sich nicht schon mal gefragt, wie die Welt jetzt aussehen würde, wenn in der Vergangenheit ein anderer Weg eingeschlagen worden wäre, eine andere Entscheidung getroffen, wenn vielleicht bloß eine Kleinigkeit anders gewesen wäre…
In „Everflame“ sind das nicht bloß Hirngespinste. Die 17-jährige Lily Proctor muss erkennen, dass es mehr als nur eine Welt gibt. Unendlich viele Welten, in denen unendlich viele Möglichkeiten wahr geworden sind. Mehr oder weniger freiwillig landet Lily in einer Version, die von Hexen regiert wird. Und die mächtigste unter ihnen ist niemand anderes als Lilys Doppelgängerin, die tyrannisch über diese magische Welt herrscht.
Herrscher und Rebellen, Kampf und Verrat, Feindschaft und Liebe, Abenteuer…und zugleich Fragen, über die sich länger nachdenken lässt. Weshalb sind wir so wie wir sind? Unserer Gene, unserer Umgebung, unsere Erziehung? Lilys Doppelgängerin, die Version von ihr in der Welt, in der sie gelandet ist, ist allem Anschein nach böse. Was macht das aus Lily, die den selben Namen trägt und wie eine exakte Kopie aussieht? Ja, was ist überhaupt gut oder böse? Kann das Ziel, eine ganze Welt zu retten, die Verfolgung und Ermordung einer einzelnen Bevölkerungsgruppe rechtfertigen? Schwierige Fragen in einer interessanten Lektüre…

Von ganzem Herzen Emily von Tanya Byrne

Die Psychatrische Abteilung der Jugendstrafanstalt Archway Young Offenders sei geschlossen worden verkündet die erste Seite, und dabei habe man in einem der Zimmer ein vollgeschriebenes Schulheft gefunden… Dann kommt Emily zu Wort, Bewohnerin eben jenes Zimmers und ehemalige Eigentümerin des Heftes. Sie wendet sich an die Leserin, ihre Nachfolgerin wie sie denkt, um ihre Geschichte zu erzählen. Damit etwas von ihr bleibt. Und weil sie mehr ist als das, was die Schlagzeilen aus ihr machen, mehr als die furchtbare Tat, die sie begangen hat.

Nachdem ihre Welt auseinander gebrochen war, hatte Emily nur noch ein Ziel: Sie wollte Rache üben. Rache an dem Mädchen, das sie dafür verantwortlich machte, dass ihr heiles Leben in sich zusammenfiel. Dafür, dass sie erkennen musste, dass es den Menschen, den sie am meisten geliebt hatte, gar nicht gab.

Ihre Welt liegt in Scherben und sie lässt ihre Rache in den Mittelpunkt rücken. Juliets Leben soll genauso aus Scherben bestehen wie ihres.
Das ist die Geschichte, die Emily erzählt. Episoden aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart, ihrer Zeit in der Jugendstrafanstalt, wechseln sich ab, eine wenig wie in der Deutschstunde von Siegfried Lenz, wenngleich auch mit gänzlich anderer Thematik.

Der Roman erinnert einen daran, dass wir mehr sind, als das, was man über uns sagt. Und daran, wie viel die Dinge bedeuten, die wir allzu oft für selbstverständlich halten und was wir ohne sie wären.

Ich bin die, die niemand sieht von Julie Berry

(im Original: All the truth that‘s in me)

Der Roman erzählt Judiths Geschichte. Judith verschwand an demselben Tag, an dem ihre beste Freundin ermordet wurde. Nach zwei Jahren kehrt sie zurück. Sie hat mehr verloren hat als die Zunge, die ihr Entführer ihr aus dem Mund schnitt. Denn mit der Zunge hat sie auch ihre Sprache verloren. Und ihren Platz in der Gemeinde.
Sie hat ihre Kindheit verloren, in den Jahren, in denen sie gefangen gehalten wurde.
Sie hat ihre Freunde verloren, die erschrocken vor ihr zurückweichen.
Sie hat ihren Vater verloren, der in ihrer Abwesenheit starb und die Liebe ihrer Mutter, die sie nun schlägt, und ihr jeden Versuch zu sprechen verbietet.
Und sie hat ihre große Liebe verloren: Lucas, der mit einer anderen verlobt ist. Ihr Freund aus Kindertagen, den sie nur noch aus der Ferne beobachtet.

Zunächst ist sie schüchtern und ängstlich. Es gibt kaum direkte Rede, all ihre Gedanken bleiben unausgesprochen. Doch sie wandelt sich, und mit ihr die Sprache des Buches. Als sie mühsam lernt, Worte neu zu formen, nimmt der Anteil der direkten Rede zu. Als sie anfängt ihre beobachtende Haltung abzulegen und aktiver wird, überwiegt allmählich die Erzählung der Gegenwart.
Gegenwart und Vergangenheit, Erlebtes und Erinnertes werden verknüpft; meist in kurzen Szenen aneinandergereiht. So entsteht langsam ein Bild, wie ein Puzzle, bei dem an dieser und dann an jener Stelle ein paar Teile gelegt werden, bis sie alle am Ende ein Ganzes ergeben. Das macht es zu Beginn schwierig, den Rahmen der Geschichte zu erkenne. Beispielsweise wird nicht deutlich zu welcher Zeit oder in welchem Land die Geschichte angesiedelt ist. Religion und strenge, religiöse Moralvorstellungen spielen eine wichtige Rolle. Ein Pranger kommt vor, der an mittelalterliche Praktiken erinnert; allerdings auch ein durchaus umfangreich scheinendes Waffenarsenal, das eher auf das 19. oder 20. Jahrhundert schließen lässt. Aus dem Klappentext geht nicht einmal hervor, dass die Geschichte überhaupt in der Vergangenheit spielt. Zu Beginn mag das verwirrend wirken, aber andererseits treten so Judiths Geschichte, ihre Gefühle und ihre Gedankenwelt in den Vordergrund. Außerdem erhält der Roman etwas Geheimnisvolles, etwas Spannendes, da man nur nach und nach erfährt, wie alles zusammenhängt.
Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive erzählt, allerdings redet Judith über ganze Passagen hinweg Lucas direkt an. Sie erzählt ihm was er tut, und denkt, und sagt. Dies wirkt zunächst leicht irritierende, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten, um die Beziehung der beiden der beiden zu charakterisieren.
Was den Titel angeht, so scheint der englische besser zu passen, All the truth that‘s in me, denn es geht um die Wahrheit, die nach und nach zum Vorschein kommt; die Judith erst für sich selbst erkennen muss.

Insgesamt eine leicht geheimnisvoll anmutende, bewegende Geschichte mit einem ganz besonderen Erzählstil.