Ich fürchte mich nicht

Ich fürchte mich nicht von Tahereh Mafi

(im Original: „Shatter me“)

Stell dir vor, niemand würde mit dir sprechen. Niemand würde dich berühren. Niemand würde sich auch nur in deiner Nähe aufhalten wollen. In der Schule würden sie Steine nach dir werfen.
Stell dir vor du würdest von niemandem geliebt, noch nicht einmal von deinen eigenen Eltern.
Stell dir vor, du wärest ganz allein.

So geht es Juliette in Tehereh Mafis „Ich fürchte mich nicht“. Denn Juliette ist anders.
Sie hat eine Gabe.
Einen Fluch.
Ihre Berührung ist tödlich.

Zu Beginn des Romans ist sie eingesperrt. In Isolationshaft. Seit 264 Tagen ohne menschlichen Kontakt, ohne die Sonne, den Himmel. Allein.

Tahereh Mafi hat in einem unnachahmlichen Schreibstil eine tief berührende Geschichte und eine beeindruckende Protagonistin geschaffen. Juliettes Einsamkeit, ihr verzweifelter Wunsch nach menschlicher Nähe dringen einem ins Herz.
Sie ist unglaublich selbstlos. Trotz allem, was ihr angetan wurde, verliert sie nicht die Hoffnung, an das Gute in den Menschen. Sie ist anders und trotzdem so viel menschlicher, so viel menschlicher als Warner, der sie zu seiner Waffe machen will, so viel menschlicher als die Klassenkameraden, die sie ausschließen und quälen, so viel menschlicher als ihrer Eltern, die sie mit Freude im Gefängnis sehen.
Es ist bewundernswert, wie Juliette nicht eine Sekunde in ihrer inneren Überzeugung schwankt, in ihrem Glaube an das, was falsch und was richtig ist. Und genauso bewundernswert ist es, wie Tahereh Mafi dies alles beschreibt. Es ist, als würde man mit Juliette zweifeln, leiden, kämpfen, hoffen, fliehen.

Es wird nicht nur deutlich, was sie denkt und tut und fühlt. Eine Reihe von durchgestrichenen Sätzen zeigt, wie sie ihre eigenen Gedanken zensiert, ja wie zerrissen sie innerlich ist.
Denn dann ist da noch Adam. Adam mit den blauen Augen. Adam, zu dem sie sich hingezogen fühlt, dem sie fern bleiben muss, um ihn zu schützen.

Eine bewegende Geschichte in der Sackgasse der Menschheit: zerstörte Natur, zerrüttete Gesellschaft, brutaler Alltag. Eine Welt, in der es keine Vögel mehr gibt. Und keine Freiheit.

Was wird am Ende siegen? Der Glaube an Gerechtigkeit, an Menschlichkeit, an eine bessere Zukunft? Oder Gewalt, Unterdrückung und Angst?

Eine Roman, der berührt und gleichzeitig zum nachdenken anregt, über das was aus unserer Welt, unseren Idealen wohl werden wird…

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2 Gedanken zu “Ich fürchte mich nicht

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